Von der Zeit des Papsttums in Avignon bis heute ist La Mirande ein Wahrzeichen der Stadt geblieben, ein lebendiges Kulturerbe, das die Fantasie beflügelt.
1309
Die Residenz eines Kardinals
Als sich die Päpste in Avignon niederließen, ließen sich auch die Kardinäle aus dem Gefolge von Papst Clemens V. in der Stadt nieder. Kardinal de Pellegrue, sein Neffe, ließ seine Residenz, eine sogenannte Livrée, an einem bevorzugten Standort unmittelbar neben dem Papstpalast errichten. Sie blieb bis zur Belagerung von 1410, bei der der Papstpalast teilweise niederbrannte, im Besitz mehrerer Kardinäle, darunter Hugues Roger und Hugues de Saint-Martial.
1653
Die klassizistische Fassade
Das Anwesen wurde an den Rechtsanwalt Claude de Vervins verkauft. Nach dessen Tod ließ sein Sohn Pierre, Marquis von Bédouin, die Fassade errichten, die das Gebäude bis heute prägt, ein Meisterwerk klassischer Architektur des Architekten Pierre Mignard, der einer Familie von Hofmalern Ludwigs XIV. entstammte.
1796
Das Hôtel Pamard
Die Familie Vervins bewohnte das Anwesen bis zu seinem Verkauf an Jean-Baptiste Bénézet-Pamard. Als Hôtel Pamard bekannt, blieb es zwei Jahrhunderte lang im Besitz einer bedeutenden Avignoner Familie, die Napoleon III. nahestand, und war von einer düsteren neugotischen Ausstattung geprägt, die von Viollet-le-Duc inspiriert war.
1966
Eine Filmkulisse
In den letzten Jahren dieser prachtvollen Stadtresidenzen diente das Anwesen Jacques Rivette als Drehort für Die Nonne, die Verfilmung des Romans von Denis Diderot. Anna Karina spielte hier eine ihrer bedeutendsten Rollen in einem Film, der bis in die höchsten Kreise des französischen Staates einen Skandal auslöste.
1987
Die Wiedergeburt
Die Familie Stein entdeckte das damals dunkle und geheimnisvolle Gebäude und machte es sich zur Aufgabe, ihm seine Seele zurückzugeben. Innerhalb von drei Jahren gelang es ihr gemeinsam mit dem Innenarchitekten François-Joseph Graf und dem Architekten Gilles Grégoire, die Stilwelten des 18. und 19. Jahrhunderts zu einem außergewöhnlich harmonischen Ensemble zu vereinen, das den Eindruck erweckt, als sei das Haus über drei Jahrhunderte hinweg behutsam gewachsen.
La Mirande,
benannt nach einem
bewundernswerten Saal
Das Hotel verdankt seinen Namen dem großen Festsaal des Papstpalastes, in dem einst Herzöge und Fürsten empfangen wurden. Die Erinnerung daran lebt im Place de la Mirande weiter. Der Name geht auf die frühere Bezeichnung Amirande zurück und bedeutet „der bewundernswerte Saal“.